Begeisterung- und warum sie uns abhanden gekommen ist

Begeisterung- und warum sie uns abhanden gekommen ist

In dem Artikel Glück – wie Hormone unsere Zufriedenheit steuern bin ich darauf eingegangen wie chemische Prozesse in unserem Körper den Zustand unserer Zufriedenheit beeinflussen können. Botenstoffe wie Dopamin und Oxytocin sind stark mit dafür verantwortlich, ob wir eine erlebte Situation vereinfacht gesprochen als positiv oder negativ empfinden. Sie beeinflussen somit direkt unseren Zustand des Glücks- bzw. Zufriedenheitsempfinden.

Um einen Schritt näher an das tägliche Empfinden von Glück und Zufriedenheit zu kommen, ist es also ratsam, auf sich und seine Reaktionen in bestimmten Situationen zu achten.

Das soll natürlich nicht heissen, dass wir, wenn wir verstehen was in unserem Körper abläuft, plötzlich glücklich und zufrieden sind.

Ein erster Schritt In die richtige Richtung zu gehen und damit anzufangen ist sicherlich darauf zu achten, das wir Entspannt und nicht zu sehr gestresst sind. Helfen dabei kann dir beispielsweise unsere Anti-Stress-Strategie.

Um allerdings langfristig eine Veränderung zu erreichen, ist es vorteilhaft zu verstehen, warum wir in Situationen reagieren, wie wir nun mal reagieren.

Wir haben gewisse „Vorprogrammierungen“. Unsere Nervenbahnen sind aufgrund von Erfahrungen und Lernen von anderen, speziell in der Kindheit, so ausgestaltet, dass wir nun mal in bestimmten Situationen so reagieren, wie wir reagieren.

Es gibt allerdings eine Empfindung, die unser völlig eigenes ich zeigt. Sie zeigt das, was uns am Herzen liegt, das was uns wirklich fasziniert und antreibt – Die Begeisterung.

Wer kann sich nicht zumindest an eine Sache in seiner Kindheit erinnern, die er mit völliger Begeisterung ausgeübt hat, so dass sie heute noch als Erinnerung fest abgespeichert ist. Sei es das bauen eines Baumhauses oder der Spaß an einem Sport wie Fußball.

Aber woran liegt es, dass wir als Erwachsene teilweise verlernt haben, diese Begeisterung, die wir als Kind für Dinge empfunden haben, heute noch zu erleben?

Was passiert bei uns im Gehirn über die Jahre, dass wir Begeisterung nicht mehr wie als Kind erleben? Und was können wir tun dies zu ändern?

Lasst uns zusammen rausfinden wie wir unser persönliches Potential, unsere Kreativität und somit unsere Begeisterung auch im Alter wieder wecken und weiter ausbauen können.

Begeisterung von Kindern

Was wir benötigen um unsere Begeisterung zu entfalten

Das Gehirn des Menschen ist darauf ausgelegt Probleme zu lösen und dabei kreative Ansätze zu entwickeln. Das Fördern von Kreativität beim Menschen erzeugt dabei das Gefühl von Begeisterung, dass wir erleben, wenn wir eine Aufgabe bewerkstelligen, die uns Spaß macht.

Mit Hilfe bildgebender Verfahren konnte bereits nachgewiesen werden, dass bei sehr kreativen Menschen gleichzeitig mehrere und voneinander entfernt liegende Bereiche des Gehirns aktiviert sind, wenn ein bestimmter Gedanke verfolgt wird oder ein daran gearbeitet wird, ein Problem zu lösen.

Kreativität entsteht also hirntechnisch gesehen, dadurch, dass der Mensch viele nicht miteinander verbundene Wissen- und Gedächtnisinhalte gleichzeitig aktiviert und neu mitaneinander verknüpft.

Folglich ist Kreativität nicht nur das Erschaffen von etwas komplett Neuem, sondern auch die Verknüpfung bereits bestehenden Wissens auf eine neue Art und Weise.

Auf das Individuum Mensch bezogen, bedeutet dies, dass wir auf den Austausch und die Begegnung mit anderen Menschen angewiesen sind um unser Potential und unsere Ideen weiter zu entwickeln.

Dies erleben wir täglich auf der Arbeit im Privatleben oder auch, wenn Menschen verschiedener Kulturen in Interaktion miteinander treten. Durch den Austausch von zwei oder mehreren unterschiedlichen Kulturen entstehen wunderschöne Dinge, die ohne diesen Austausch nie möglich gewesen wären.

Ein sehr schönes bauliches Beispiel ist hier die Hagia Sophia in Istanbul. Im 6. Jahrhundert erbaut vereint sie römische sowie christliche, aber auch muslimische Elemente und gilt als eines der Wahrzeichens der Stadt. Wer diesen Bau schon einmal in natura gesehen hat, weiß zu welch schönen Dingen ein interkultureller Austausch führen kann.

Folglich entsteht in interkulturellen Gemeinschaften ein riesiger Spielraum für Potential- und Begeisterungsentfaltung.

Ohne Begeisterung schlafen die besten Kräfte unseres Gemütes. Es ist ein Zunder in uns, der Funken will. – Johann Gottfried von Herder

Sind beispielsweise Unternehmen in der Lage solche potentialfördernden Gemeinschaften in ihre Unternehmenskultur zu integrieren, haben sie einen enormen Wissensvorsprung gegenüber der Konkurrenz.

Leider sieht man an dem Beispiel Unternehmen auch wie sehr oft dieses Potential durch Kontrolle, hohen Termindruck, Schüren von Angst und hoher Arbeitsbelastung ungenutzt bleibt.

Das Individuum kann sein Potential zur Kreativität gar nicht ausnutzen. Es arbeitet Aufgaben nur „stupide“ ab, was mit der Zeit in Resignations- und Frustrationshaltung übergehen kann, also das Gegenteil von Begeisterung.

Unternehmen versuchen dem entgegen zu steuern, indem sie ihren Mitarbeitern Anreize geben und versuchen sie zu motivieren, sei es mit Geld oder anderen Vergünstigungen.

Die Lust, sich einzubringen und mitzugestalten, lässt sich aber leider nicht von oben verordnen oder durch kurzfristig wirkende „Dopamin“-Anreize wie Boni wecken.

Allerdings kann man durch die entsprechende Kultur diese Lust an Kreativität und Begeisterung schnell und nachhaltig unterdrücken. Dies geschieht immer dann, wenn die Mitglieder einer Gemeinschaft – indem Fall die Mitarbeiter – durch einen Mangel an Verantwortung, herausfordernden Aufgaben, durch Verunsicherung, durch unzureichende Wertschätzung, durch Termindruck und das Schüren von Angst frustriert werden.

Der Schlüssel zur Entfaltung von Begeisterung durch wecken von Potentialen und Kreativität in Gemeinschaften wie Schulen, Unternehmen und Familien liegt folglich in der Förderung von Zusammenhalt und gemeinsamen die Gemeinschaft stärkenden Zielsetzungen.

Wenn eine entsprechende Kultur des Zusammenhalts geschaffen wird, ermöglicht dies die Aktivierung von Potential, Kreativität und Begeisterung der einzelnen Individuen in dieser Gemeinschaft.

Aber wo können wir beginnen, um diese so einfach klingende, aber doch so schwierige Veränderung in Gemeinschaften zu erreichen?

2 gratis E-Books und die Erfolg-Zitatesammlung für unsere Newsletter Abonnenten!

Die Anti-Stress Strategie

55 motivierende Erfolg-Zitate

Das Kündigungshandbuch

Was können wir anders machen?

Ich persönlich glaube ein wichtiger Schlüssel liegt in dem “Interesse und an der Neugierde an neuen Dingen“.

Beobachtet einmal Kinder, die spielen, mit welcher Begeisterung sie neues entdecken. Könnt ihr euch an das Gefühl erinnern?

Durch die Schule, im Berufsleben und insgesamt in unserer Gesellschaft wird uns mit zunehmenden Alter allerdings immer mehr „vorgegeben“, dass wir die Leistung in den Vordergrund stellen sollen.

Hierin liegt meiner Meinung nach ein Fehlgedanke.

Wettbewerb ist gut und kann auch Spaß machen und Ansporn sein, aber letztendlich ist und bleibt der Weg das Ziel.

Weise Leute wie beispielsweise Nelson Mandela in seiner Biografie stellen heraus, dass eigentlich ihre Fehler im Nachhinein ihre besten Lehrmeister waren. Nicht umsonst sagt ein altes chinesisches Sprichwort „Umwege erhöhen die Ortskenntnis“.

Lasst uns also wieder mehr Fehler machen, lasst uns mehr neues wagen auch wenn die Ausgangslage unsicher und das Ergebnis ungewiss, einfach nur weil wir Lust darauf haben. Eure Begeisterung wird es euch danken.

Durch den Erfolg, aber auch den Misserfolg und seine Lehren, die wir daraus ziehen, entwickelt sich neurologisch gesehen ein neues Selbstvertrauen. Klick um zu Tweeten

Wagen wir etwas und sind erfolgreich, verändern sich unsere Nervenbahnen und wir werden resilienter gegen zukünftige unsichere Situationen. Nur die sichere Variante zu wählen und sich nicht aus seiner Komfortzone zu wagen, führt auf der anderen Seite dagegen dazu, dass wir umso anfälliger werden, wenn unsere Komfortzone von außen beispielsweise durch unerwartete Schicksalsschläge eingerissen wird.

Die gute Nachricht in dem Zusammenhang ist, nach neuesten Erkenntnissen der Hirnforschung, dass der Schlüssel für alles in unserem Denken und Handeln liegt.

Jahrelang sind die Hirnforscher davon ausgegangen, dass sich unsere Nervenbahnen vereinfacht gesprochen bis zur Pubertät ausformen und danach nicht mehr signifikant verändern. Einen freien Willen haben wir danach nicht, unsere aus der Steinzeit mitgebrachten Verhaltensmuster lassen sich auch nicht unterdrücken, unser Unbewusstes treibt uns vor sich her, und unser Ich hat keine Ahnung davon, wer es ist, geschweige denn wie viele. Hormone steuern unsere Gefühle, und die vernebeln uns den Verstand.

Das Einzige, was sich ziemlich sicher voraussagen lässt, ist, dass wir im Durchschnitt, je älter wir werden, wir auch umso häufiger depressiv oder dement werden.

Klingt das nicht nach einem wundervollen Leben?

Die Begeisterung des Herzens ist die Quelle jeder großen Unternehmung. – Giuseppe Mazzini

Fakt ist nach neuesten Erkenntnissen genau das Gegenteil.

Wir können durchaus unsere Nervenbahnen, unser Gehirn und damit unser Denken bis ins hohe Alter beeinflussen.

„Unser Gehirn wird so, wie und wofür wir es besonders gern und deshalb auch besonders intensiv benutzen“.

Wir haben die Verantwortung und die Fähigkeit unser Gehirn für das was wir möchten zu nutzen. Wir können also entscheiden, ob wir anderen Menschen gegenüber skeptisch, zurückhaltend, mit Vorsicht oder einfach mit Freundlichkeit und einem Lächeln begegnen.

Der freundliche Umgang und ein echtes Lächeln haben hierbei ganz starke Auswirkungen auf unsere Gemütsverfassung, unsere Einstellung und somit auch auf unsere Begeisterung und Offenheit für Neues.

Ein echtes Lachen oder Lächeln erzeugt bei uns Glücksmomente.

Was wir sind und was wir sein könnten: Ein neurobiologischer Mutmacher von Gerald Hüter

Der Autor führt uns in diesem Buch mit einer sehr angenehmen, unterhaltsamen und auch humorvollen Erzählweise durch die neuesten Erkenntnisse der Hirnforschung und möchte Hilfestellungen geben wie für jeden Einzelnen von uns das „Gelingen“ seiner eigenen Potentialentfaltung möglich ist.

Wenn du glücklich bist, pulsiert das Blut etwas schneller in deinen Adern.

Bei den meisten Menschen trennen drei bis fünf Herzschläge pro Minute das Glück vom Normalzustand. Ihre Hauttemperatur steigt um etwa ein Zehntel Grad, weil sich die Durchblutung verbessert.

Aufgrund der Erregung wird Ihre Haut etwas feuchter, der elektrische Hautwiderstand sinkt. Wenn du dich gut fühlst, entspannen sich die Muskeln an den Gliedmaßen und werden geschmeidiger. Hinzu kommen wichtige Veränderungen, die wir nicht direkt spüren können. Freude verschiebt auch das Gleichgewicht der Hormone. Es werden verstärkt Endorphine freigesetzt, die uns vor Glück berauschen.

Das interessante ist, dass wir durch diesen Glückszustand begeisterungs- und leistungsfähiger werden. Zudem haben Studien ergeben, dass zufriedenere Menschen weniger krank werden und im Durchschnitt länger leben.

Hier drin liegt also ein wichtiger Stellhebel für uns, unsere Begeisterung wieder zu aktivieren, indem wir freundlicher und positiver dem Tag und den Menschen gegenüber auftreten.

Das klingt natürlich erstmal sehr einfach, ist aber umso schwerer in der Anwendung.

Wir regen uns über den Stau nach der Arbeit auf, wir regen uns über die Eigenarten unser Partner und Freunde auf, wir regen uns auf, weil die Kassiererin an der Supermarktkasse wieder so langsam ist und…und…und.

Hilft uns diese Denkweise?

Nach neuesten Erkenntnissen der Hirnforschung bewirkt sie leider genau das Gegenteil.

Dadurch programmieren wir in unseren Nervenbahnen ein negatives Verhalten. Je mehr wir mit Wut auf eine Situation reagieren, desto stärker reagieren wir beim nächsten Mal in ähnlichen Situation in die gleiche Richtung. Und dadurch beeinflussen wir auch unsere Begeisterungsfähigkeit negativ.

Wir haben nicht mehr den freien Kopf für neue Ideen und neue Herausforderungen, da wir unser Gehirn auf das „Glas ist halb leer-Denken trainieren“. Klick um zu Tweeten

Gehen wir stattdessen mit der Situation gelassener und freundlicher um, trainieren wir das Gehirn auf „Das Glas ist halb voll-Denken“. Treten wir Personen, selbst in stressigen Situationen freundlich gegenüber, werden sich die Menschen aufgrund der Spiegelneuronen einer mindestens minimalen positiven Reaktion darauf nicht verschließen können. Somit erzeugen wir ein positives Umfeld für uns.

Ändern mehrere Menschen in unserer Umgebung auf diese Weise ihr Verhalten, entsteht dadurch der oben beschriebene potential- und begeisterungsfördernde Zusammenhalt in einer Gemeinschaft wie Schule, Familie oder Unternehmen.

Durch dieses positive Umfeld sind wir leistungsbereiter und offen für Veränderungen. Es entsteht Raum für neue Ideen und wir haben Lust etwas Neues zu starten.

Der Weg ist frei unsere Begeisterung neu zu entdecken, sei es im Berufs- oder Privatleben. Stellt euch einmal vor wie die Welt sein könnte, wenn wir alle damit anfangen.

Fazit

Die hier dargestellten Ideen und Ansätze zur Begeisterungs- und Potentialentfaltung sind in diesem Artikel leider nur leicht angerissen.

Zu welchen Entwicklungsmöglichkeiten wir von neurologischer Seite in der Lage sind, konnte ich in den paar Worten nur sehr kurz und oberflächlich darstellen.

Diese Erkenntnisse sind auch keine Ideen von mir oder erfundene Fakten, sondern basieren auf den Erkenntnissen der neueren neurologischen Forschung.

Wem ich mit diesem Artikel Lust auf mehr machen konnte – was hier einzig und allein mein Ziel war – dem kann ich sehr das Buch „Was wir sind und was wir sein könnten: Ein neurobiologischer Mutmacher“ von Prof. Gerald Hüther und das Buch „Die Glücksformel: oder Wie die guten Gefühle entstehen“ von Stefan Klein ans Herz legen“.

Sie geben hervorragende Denkanstöße für einen selber zu den Themen Begeisterung, Kreativität, Glück und Potentialentfaltung.

Beide Bücher findet ihr bei uns auf der Seite im Bücherregal.

Viel Spaß damit

Euer Tim

Quellen
Hüther, Gerald. Was wir sind und was wir sein könnten: Ein neurobiologischer Mutmacher
Klein, Stefan. Die Glücksformel: oder Wie die guten Gefühle entstehen
Dr. med. Weidinger, Georg. Die Heilung der Mitte: Die Kraft der Traditionellen Chinesischen Medizin

Fotocredits
"Carefree Happy Woman Enjoying Nature on grass meadow on top of mountain cliff with sunrise. Beauty Girl Outdoor. Freedom concept. Len flare effect. Sunbeams. Enjoyment." ©oatawa/fotolia.com
"Gruppe Kinder jubelt beim Wettlaufen" ©Robert Kneschke/fotolia.com

Menü