Berufliche Weiterbildung: Die Bedeutung des lebenslangen Lernens

Berufliche Weiterbildung: Die Bedeutung des lebenslangen Lernens

Man lernt nie aus, dieses Sprichwort bewahrheitet sich auch in der Berufswelt stets aufs Neue.

Fast alle Berufe erfordern es, das eigene Know-how ständig aufzufrischen, da sich Arbeitsprozesse und -materialien wie Soft- und Hardware in einem stetigen Wandel befinden. Auch der rechtliche Rahmen ist nicht starr, sondern verlangt fortschreitende Anpassungen. Hinzu kommt die wachsende Bedeutung der Digitalisierung.

Ohnehin erwarten Chefs heutzutage, dass ihre Mitarbeiter über höchste Qualifikationen verfügen und sich Veränderungen gegenüber nicht sperren. Darum ist das Sprichwort tatsächlich keine leere Floskel, sondern vielmehr überlebenswichtig in unserer heutigen Wissensgesellschaft.

Diese Meinung teilen auch die Arbeitnehmer. Mehr als 50 Prozent bezeichnen Fortbildungen als unerlässlich, drei Viertel sind sogar davon überzeugt, dass solche Lernmaßnahmen zukünftig noch wichtiger werden. In einer Umfrage im Auftrag der Deutschen Universität für Weiterbildung (DUW) gaben die Befragten diese Prognose für die nächsten zehn Jahre ab.

Warum sich die berufliche Weiterbildung lohnt

Wer sich im Berufsleben neue Perspektiven eröffnen oder sogar eine Führungsposition einnehmen will, kommt um eine kontinuierliche Weiterbildung nicht herum. Jede Fortbildung bedeutet schließlich auch eine Verbesserung der eigenen Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

Zudem lässt es sich so sicherer und selbstbewusster in Gehaltsverhandlungen auftreten. Das ILS Institut für Lernsysteme konnte in einer Umfrage feststellen, dass rund 80 Prozent der Befragten mit Weiterbildungserfahrung in ihrem Job selbstsicherer agieren und über größere Kompetenzen verfügen. Ganze 45 Prozent nutzten die Fortbildung sogar dazu, in eine höhere Position aufzusteigen.

Das Berufsleben bietet in jeder Etappe Gelegenheit zur Spezialisierung und Erweiterung der eigenen Kompetenzen. Weiterbildungen führen nicht selten zu einem neuen Job. Vor
allem im Bereich Social Media bestehen hier enorme Chancen.

Möchte ein Unternehmen beispielsweise die Kundenbindung intensivieren, sind Social Media Manager gefragt. Mit einer Weiterbildung zum Social Media Manager wird man so zum perfekten Kandidaten für eine neue Stelle. Wer sich zur Thematik Projektmanagement ausbilden lässt, kann als Sachbearbeiter Verantwortung übernehmen und erschließt sich so ein zusätzliches Arbeitsfeld.

Nicht nur für den aktuellen Job kommt der Weiterbildung eine große Bedeutung zu. Heutzutage ist niemand vor einer etwaigen Arbeitslosigkeit gefeit, so sicher die eigene Arbeitsstelle auch wirken mag. Sollte man jemals eine unfreiwillige Auszeit einlegen müssen und möchte danach wieder ins Berufsleben einsteigen, so sind Fortbildungen unverzichtbar.

Die heutige Berufswelt ist so flexibel und unterliegt einem stetigen Wandel, sodass einmal erworbenes Wissen bald schon nicht mehr aktuell ist oder nicht mehr ausreicht. Die arbeitslose Phase lässt sich daher ideal nutzen, um entweder die Weiterbildungsangebote der Agentur für Arbeit zu durchstöbern oder auf eigene Faust nach Fortbildungsmöglichkeiten zu suchen.

Nicht nur Zeiten der Arbeitslosigkeit kommen dafür infrage, auch Elternzeiten oder Sabbaticals eignen sich perfekt.

Interne und externe Fortbildungen

Die Möglichkeiten der beruflichen Fortbildung sind vielfältig. Absolviert man sie direkt im Betrieb, handelt es sich um eine betriebliche Weiterbildung.

Der Arbeitgeber stellt entweder die notwendigen Ressourcen bereit oder beauftragt eine externe Kompetenz. In der ersten Variante nehmen Fachkräfte aus dem jeweiligen Themengebiet die Lehrrolle ein und halten Kurse zu ihrem Fach ab. Im Sinne eines Mentoren-Programms führt ein erfahrener Mitarbeiter Aufsicht über einen Neuling und bringt ihm den Arbeitsbereich so näher.

Die zweite Variante sieht vor, dass ein externer Dozent die Weiterbildung im Unternehmen veranstaltet. Vorteil dabei ist die Möglichkeit, ganze Gruppen von Mitarbeitern gleichzeitig zu schulen. Auf diese Weise kann sichergestellt werden, dass alle Teilnehmenden über einen identischen Wissensstand verfügen.

Themenbereiche solcher Weiterbildungen beschäftigen sich beispielsweise mit der Ausbildung von Führungskräften, der Lehre fachlicher Kenntnisse oder der Projektleitung. In manchen Unternehmen wird es bevorzugt, die Arbeitnehmer anstelle von In-House-Schulungen durch externe Workshops und Kurse fortzubilden.

Auf diese Weise können auch Einzelpersonen besonders gezielt in jenen Disziplinen geschult werden, für die zu diesem Zeitpunkt ein spezieller Bedarf vorhanden ist. Selbst in kleineren Unternehmen trägt diese Variante meist Früchte.

Dementsprechende Maßnahmen gewährleisten, dass die eigenen Fähigkeiten stets den Anforderungen des Marktes gerecht werden können. Ändern sich beispielsweise die gesetzlichen Rahmenbedingungen eines Fachgebiets, müssen die Mitarbeiter im Hinblick darauf geschult werden. Sofern das Unternehmen selbst diese Kurse anbietet, müssen die Arbeitnehmer überdies nicht die Kosten tragen. Dennoch werden die Fortbildungsmöglichkeiten in Deutschland noch nicht voll ausgeschöpft.

In einer Studie der Hochschule für angewandtes Management und der Vodafone-Stiftung aus dem Jahre 2016 attestierten die befragten Arbeitnehmer, dass ihre Vorgesetzten diese Kurse nicht in ausreichendem Maße anboten. Überhaupt verfügte die Mehrheit der Unternehmen kaum über wohl strukturierte Bildungsangebote.

Lediglich ein Viertel der Umfragegruppe gab an, dass die Weiterbildung ein Teil des Mitarbeitergesprächs ist.

Umso wichtiger ist es, selbst aktiv zu werden. Man sollte für sich erörtern, welche Weiterbildung für den eigenen Beruf förderlich sein könnte. Gute Argumente helfen bei einer solchen Eingrenzung. Wer beispielsweise häufig mit englischsprachigen Kunden in Kontakt tritt, dürfte von einem Kurs in Business-Englisch profitieren.

Präsentiert man häufig vor Publikum, erweist ein Seminar über Präsentationstechniken wichtige Dienste. Anhand der zuvor gesammelten Argumente lässt sich diese Idee dann auch dem Chef in einem Mitarbeitergespräch vorstellen.

Meist beurteilen die Vorgesetzten diese Eigeninitiative als ein positives Zeichen und unterstützen derartige Anliegen, schließlich sichern sie sich so die Fachkräfte von morgen. Studien haben erwiesen, dass interessante Angebote zur Weiterbildung die Bindung der Mitarbeiter an ihr Unternehmen um bis zu 70 Prozent erhöht.

Nicht nur das Unternehmen und der trainierte Arbeitnehmer profitieren von der Fortbildung, auch Arbeitskollegen ziehen aus dem Umgang mit dem fortgebildeten Mitarbeiter Vorteile. So wird auch ihnen das Know-how nähergebracht.

Wer zahlt für die Weiterbildung?

Natürlich ist eine Fortbildung meist teuer. Bereits ein Sprachkurs von nur wenigen Tagen kostet mehrere hundert Euro. Nur aus finanziellen Gründen sollte aber niemand auf die Weiterbildung verzichten müssen, wenn diese einen beruflichen Nutzen bringt. Sowohl der eigene Chef als auch der Bund können dieses Engagement unter gewissen Voraussetzungen unterstützen.

Wer die Kosten hingegen selbst trägt, kann zumindest Steuern einsparen. Im Zuge der nächsten Steuererklärung lässt sich dieser Aufwand geltend machen.

Förderung durch den Chef

Bildet sich ein Arbeitnehmer weiter, profitiert davon auch dessen Arbeitgeber. Aus diesem Grund fördern viele Unternehmen das Bestreben ihrer Mitarbeiter durch einen Bildungsurlaub oder eine individuelle Unterstützung. Auf Nachfrage wird der Arbeitgeber darüber Auskunft geben, ob er die Kosten für die Weiterbildung vollständig übernimmt oder sich jedenfalls beteiligt. Möglich ist auch eine Verringerung der Arbeitszeit oder ein Bildungsurlaub. Fast alle Bundesländer sehen zudem einen Anspruch auf Sonderurlaub zum Zwecke der Berufsbildung, allgemeinen und politischen Bildung vor. Lediglich Bayern und Sachsen kennen dieses Recht nicht. Bis zu fünf Tage bezahlter Freistellung sind in manchen Bundesländern erlaubt. Dennoch nutzen nur etwa ein bis zwei Prozent aller Arbeitnehmer diese Gelegenheit.

In vielen Unternehmen werden auch interne Fortbildungen angeboten. Dabei verlangt der Arbeitgeber jedoch im Regelfall eine Gegenleistung. Es kann sich hier unter anderem um eine Einschränkung des Kündigungsrechts handeln. Wer das Unternehmen verlässt, wird in diesem Falle wohl für die entstandenen Kosten aufkommen müssen.

Staatliche Förderung

Die Optionen der staatlichen Förderung greifen, wenn der Arbeitgeber die Weiterbildung nicht oder nur unzureichend finanziert.

Bildungsprämie: Arbeitnehmer mit einem Jahreseinkommen von unter 20.000 Euro können eine Bildungsprämie des Bildungsministeriums erhalten. Wichtig ist hier eine vorhergehende Beratung. Außerdem werden nur Kurse unterstützt, die man bei einem anerkannten Träger absolviert.

Aufstiegs-Bafög: Wer sich zum Meister, Betriebswirt oder Techniker fortbilden lassen möchte, kann das Aufstiegs-Bafög beantragen. Über 700 verschiedene Fortbildungsabschlüsse können gefördert werden.

Bildungsgutschein: Die Bundesagentur für Arbeit unterstützt mit diesem Gutschein die Fortbildung von Arbeitnehmern, Arbeitslosen und Berufsrückkehrern. Voraussetzung ist, dass die Agentur diese Kurse anerkennt und sie als notwendig einstuft. Die Qualifikation für einen solchen Bildungsgutschein wird im Rahmen eines Beratungsgesprächs erörtert.

Weiterbildungsstipendium: Mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung und besonderen Leistungen in Ausbildung oder Beruf (wie beispielsweise einem besonders guten Notendurchschnitt) können Arbeitnehmer unter 25 das Weiterbildungsstipendium in Anspruch nehmen. Es finanziert bis zu drei Jahre fachliche Fortbildungen.

Mit der Fortbildungs-Checkliste zum perfekten Kurs

Zielfindung
Wie sieht die eigene berufliche Zielsetzung aus? Welche Fähigkeiten sind in dieser Hinsicht förderlich? Es kann sich dabei unter anderem um einen Berufswechsel, den Schritt in die Selbstständigkeit oder eine Beförderung handeln. Je genauer man das Ziel vor Augen hat, desto leichter fällt auch die Wahl des Kurses oder Studiengangs. Um sich in diesem Dickicht aus Möglichkeiten Klarheit zu verschaffen, kann auch eine kostenlose Bildungsberatung hilfreich sein.

Lernform
Auf welche Art und Weise soll das gesteckte Ziel erreicht werden? Präsenzkurse sind ebenso denkbar wie Fernlehrgänge oder E-Learning-Kurse. Zusätzlich können beim Lernen auch Ratgeber-Portale wie Uni-24.dehelfen.

Kursangebot
Internetseiten wie semigator.de helfen dabei, einen genaueren Überblick über die Vielfalt an Kursen zu erlangen.

Informieren
Anhand dieser Listen lohnt sich auch ein Preisvergleich. Bestehen neben preislichen inhaltliche Unterschiede? Werden die jeweiligen Anbieter beratend tätig? Zudem gilt es darauf zu achten, ob sämtliche Informationen zu den Kursinhalten, der Kursdauer, nötigen Vorkenntnissen und Kosten beantwortet werden. Die Dozenten sollten nicht nur fachlich, sondern auch didaktisch kompetent sein, um ihr Fachwissen gezielt teilen zu können.
Wichtig ist nicht zuletzt, dass am Ende des Kurses ein aussagekräftiges Dokument ausgestellt wird, damit man dies bei zukünftigen Bewerbungen vorweisen oder dem Arbeitgeber vorlegen kann.

Fazit: Die Bedeutung des lebenslangen Lernens

Auch wenn man froh ist, die Schule hinter sich gebracht zu haben, sollte man nie auslernen. Zu groß ist die Bedeutung der stetigen Weiterbildung. Wer sich ganz einfach nicht mit Seminaren und Schulungen arrangieren kann, sollte zumindest Fachbücher, Podcasts oder Veröffentlichungen von Experten auf dem Laufenden halten. Ganz so trocken wie man denken mag sind die Fortbildungen aber gar nicht: Eine Umfrage des IR Weiterbildungsindexes aus dem Jahre 2015 ergab, dass die Weiterbildungen der Hälfte aller Teilnehmer Spaß machen.

  • Mit Weiterbildungen erhöht man die eigenen Gehalts- und Beförderungschancen.
  • Unternehmen haben noch Spielraum bei der Verbesserung der Weiterbildungsmöglichkeiten.
  • Im Mitarbeitergespräch kann man Eigeninitiative zeigen und Fortbildungsideen vorschlagen.
  • Nicht nur der Arbeitnehmer, sondern auch der Arbeitgeber zieht Vorteile aus der Fortbildung.
  • Neben betriebsinternen Fortbildungen besteht auch die Möglichkeit, sich durch den Staat unterstützen zu lassen.
  • 14 der 16 Bundesländer sehen einen Sonderurlaub für Bildungsmaßnahmen vor (Ausnahmen: Bayern und Sachsen).
  • Die Auswahl der Kurse sollte sorgfältig getroffen werden, denn ihre fachliche und didaktische Qualität ist unverzichtbar.

Ein Gastartikel von Uni-24.de

Bildquelle:
"Business Team im Consulting Seminar" ©Robert Kneschke@fotolia.com

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