Familiäre Prägung – 6 Gründe warum Eltern Experten für ihre Kinder sind

Familiäre Prägung

Die familiäre Prägung hat einen enormen Einfluss auf uns, und auf den Weg, den wir in unserem Leben beschreiten. In der Familie wachsen wir auf und erlernen grundlegende Fähigkeiten, wir schließen erste Bindungen und erlernen Emotionen.

Nichts prägt uns so stark wie unsere Familie, von unserer Kindheit bis ins hohe Alter. Die Erfahrungen, die wir im Kindesalter sammeln, stellen die Weichen für unseren zukünftigen Lebensweg. Daher ist es so bedeutsam unter welchen Umständen wir aufwachsen. Von unserer Familie lernen wir was Werte sind. Wir erfahren was Ehrlichkeit und Disziplin bedeuten und wir schauen uns bei unseren Eltern ab, wie sie miteinander umgehen und z.B. zu Lösungen gelangen, wenn sie sich uneinig sind oder streiten.

Wie groß unsere Bildungschancen sind, welche politischen oder kulturellen Wertvorstellungen wir haben, oder wie zufrieden wir mit unserer Partnerschaft sind – all das ist auch eine Frage unserer Herkunft, unserer Familie. Ob wir glücklich werden, erfolgreich oder selbstbewusst. Jeder einzelne von uns ist das Kind seiner Eltern, ist Teil einer Familie. Familiäre Prägung

Ich beschreibe es auch gerne so:

Unsere Kinder kommen als ein leeres Buch auf die Welt. Wir als Eltern schreiben die Einleitung zu diesem Buch. Die Einleitung hat Einfluss darauf, welche Geschichte aus diesem Buch entstehen kann. Eltern sollen die Grundsteine für die eigenen Lebensgeschichten legen, die Geschichte schreibt das Kind jedoch selbst.

„Bewahre mich vor dem naiven Glauben, es müsste im Leben alles gelingen. Schenke mir die nüchterne Erkenntnis, dass Schwierigkeiten, Niederlagen, Misserfolge, Rückschläge eine selbstverständliche Zugabe zum Leben sind, durch die wir wachsen und reifen.“ – Antoine de Saint Exupéry

Es ist noch gar nicht so lange her, da wurden die ersten Lebensjahre von Kindern als eine Phase betrachtet, in der das Hauptaugenmerk auf der Pflege und der Betreuung unserer Kinder lag. Die notwendigen Entwicklunsschritte, so vermutete man, kamen von alleine, durch die „Reifung“. Zum Glück sind wir heute um einiges schlauer.

Nicht zuletzt durch die intensive Arbeit auf dem Gebiet der Bindungsforschung, wissen wir heute, dass die Erfahrungen, die Kinder im ersten Lebensjahr sammeln, ganz entscheidend dafür sind, wie Bindungen aufgebaut werden. Diese Bindungen in den frühen Lebensjahren haben wiederum einen direkten Einfluss auf soziale und emotionale Entwicklung.

Sowohl in der frühen, als auch späteren Bindung, ist die Ausschüttung des „Bindungshormons“ Oxytocin stark erhöht. Manchmal genügt alleine der Anblick der geliebten Person z.B. der Mutter oder nur das Hören ihrer Stimme um die Ausschüttung in Gang zu setzen. Dies führt dazu, dass die Menge an Stresshormonen, wie etwa Cortisol, zurückgeht. Gleichzeitig wird vermehrt das beruhigend wirkende Serotonin gebildet. Es werden zusätzlich noch die hirneigenen Belohnungsstoffe, die endogenen Opioide freigesetzt, die zusammen mit dem Serotonin eine beruhigende Wirkung erzielen.

Unser Elternhaus ist der Platz, an dem wir zu ersten Mal Liebe erfahren. Wo wir Geborgenheit und Nähe erhalten.

Es kann aber ebenso ein Ort sein, an dem wir negative Erfahrungen und Verletzungen erleiden, die uns ein Leben lang begleiten werden. Die Folgen solcher frühkindlichen negativen Einflüsse können inzwischen im Gehirn von Jugendlichen und Erwachsenen durch verschiedene neurobiologische Verfahren nachgewiesen werden. Es zeigt sich dabei, dass aufgrund frühkindlicher Schädigungen insbesondere diejenigen Gehirnteile betroffen sind, die mit dem Umgang mit Stress zu tun haben, mit Selbstberuhigung, Impulshemmung, Bindung und Empathie.

Wir können uns dem Einfluss unserer Herkunft nicht entziehen, auch wenn manche sich das wünschen.

Die Rolle der Eltern

Eltern übernehmen die Vermittlung von ersten Normen und Werte. Experten nennen diese Phase die primäre Sozialisation oder auch die familiäre Sozialisation. Speziell in den ersten beiden Lebensjahren nimmt diese Sozialisation den größten Einfluss. Das Herausbilden einer individuellen Identität unserer Sprösslinge ist dabei das übergeordnete Ziel.

Die Sozialisation beschreibt einen Prozess, in dem die Kinder:

  • Fertigkeiten,
  • Motive,
  • Wertvorstellungen,
  • Überzeugungen
  • und Beurteilungsmaßstäbe

entwickeln, die für Ihre jeweilige Kultur typisch sind. Eltern sind nicht nur die wichtigsten Bezugspersonen für Ihre Kinder, sie sind vielmehr die Experten, die durch Ihr Handeln zum Gelingen frühkindlicher Entwicklung beitragen können.

6 Gründe warum Eltern Experten für Ihre Kinder sind

1. Eltern sind Spezialisten

Keiner kennt die bisherige Entwicklung des Kindes besser als die eigenen Eltern. Bedürfnisse, Stärken, Schwächen und Interessen sind den Eltern vom ersten Tag an bestens vertraut.

 2. Eltern können Ihre Erfahrungen und Ihr Umfeld mit einbringen

In der Regel haben Eltern soziale Kontakte, bei denen Sie mit spannenden Menschen zu tun haben. Eltern haben Lebenserfahrung und Zugang zu unterschiedlichen Berufen und Hobbies. Wenn sich Eltern für etwas begeistern, werden die Kinder diese Informationen interessiert aufnehmen.

3. Eltern bereichern durch Vielfalt

Eltern haben Kontakt mit Menschen unterschiedlichster Herkunft, Religion, Kultur oder Sprache. Vielfalt und Toleranz sind Bereicherungen für alle Kinder. (und auch für Erwachsene)

4. Eltern Kommunizieren

Durch regelmäßige Kommunikation gelingt es Eltern auf dem neuesten Stand zu sein, wie es dem Kind gerade geht und was es in seinem Alltag alles erlebt hat. So können Lernforstschritte besser beurteilt werden und ggf. gezielte Förderungsgebiete identifiziert werden.

5. Eltern sind nicht alleine mit Ihren Sorgen und Problemen

Ständiger Erfahrungsaustausch mit anderen Eltern erweitert den eigenen Horizont. So wird sich nicht nur über Erziehungsmethoden und die alltäglichen Probleme ausgetauscht, es entstehen neue Freundschaften und soziale Kontakte, von denen auch das Kind profitiert.

6. Eltern bestimmen mit

Durch Positionen in Elternbeiräten oder Elternvertretungen haben Eltern die Möglichkeit ihre eigenen Vorstellungen und Ideen mit in die frühkindliche Erziehung durch Kita´s oder Krabbelgruppen einzubringen. Familiäre Prägung

Geschwister-Bindung-CTRL-Life

Geschwisterliebe

Ein ebenfalls ganz wichtiger Teil unserer Entwicklung sind unsere Geschwister.

Wir haben eine gemeinsame Geschichte mit unseren Geschwistern und teilen mit Ihnen Gefühle, Erlebnisse und Erfahrungen. Die gleiche Herkunft und die gemeinsame Entwicklungsgeschichte bilden ein unsichtbares, unlösbares Band zwischen Geschwistern, egal wie gut oder schlecht die Beziehung untereinander ist. Familiäre Prägung

Geschwisterbeziehungen sind die längsten verwandtschaftlichen Beziehungen und gleichzeitig die intensivsten Erfahrungen von Nähe in unserer Kindheit. Geschwisterkinder verbringen mehr Zeit zusammen als mit Ihren Eltern. So lernen Sie voneinander mit Nähe und Ablehnung oder Konflikten und Versöhnungen umzugehen.

Unsere Geschwister prägen unser Selbstbild und beeinflussen uns nachhaltig.

„Geschwister sind ein nicht selbst gewählter Teil des eigenen Lebens, und sie bleiben es, ob man will oder nicht.“

Alles Vorprogrammiert?

Der Einfluss unserer Familie zieht sich wie ein roter Faden durch unser Leben, ob wir es wollen oder nicht! Heißt das, dass unser Schicksal bereits geschrieben ist, und wir selbst keinen Einfluss mehr nehmen können? Bestimmt unser Elternhaus wirklich alleine, wie unser Leben verlaufen soll?

Lange Zeit war die Meinung weit verbreitet, dass die Erziehung den Haupteinfluss auf die Entwicklung unserer Persönlichkeit und unser Verhalten hat. Also ist demnach jemand besonders fleißig und zielstrebig, weil seine Eltern ihn ebenso fleißig und zielstrebig erzogen haben. Ist das wirklich so?

Es gibt Studien, die dies sogar belegen. So wird von den Forschern angenommen, dass die Hälfte der sogenannten kognitiven Grundfähigkeiten, wie z.B. Intelligenz, bereits durch unsere Gene vorbestimmt werden. –

Das bedeutet also: Kluge Eltern gleich kluge Kinder?

Nicht unbedingt, denn es werden eben nur 50% der Fähigkeiten vererbt. Es kann also durchaus vorkommen, dass hochintelligente Elternpaare Kinder mit niedrigerem IQ bekommen und das weniger intelligente Paare klügere Nachkommen zeugen. Familiäre Prägung

Aus diesem Grund sind auch Ängste unbegründet, dass untere Schichten, die viele Kinder bekommen, zur Volksverdummung führen oder gar, dass es für unsere Gesellschaft schädlich sei, wenn vermeintlich weniger begabte Migranten mit vielen Kindern in unser Land kommen – Bullshit

Fazit

Abschließend bleibt zu sagen, dass es bei der Entwicklung von uns Menschen nichts Vorbestimmtes gibt. Unsere individuellen Lebenswege kann man sich vielleicht am besten wie eine Billardkugel vorstellen. Sie wird einmal angestoßen und ändert anschließend immer wieder ihre Richtung, abhängig davon auf wen oder was sie trifft. Im „echten“ Leben sind das meist Menschen, die uns in verschiedene Richtungen stoßen.

Schlussendlich kommt es darauf an, was wir als Individuum aus dem machen, dass die familiäre Prägung uns mit auf den Weg gegeben hat. Die Familie spielt dabei zwar die zentrale Instanz, die uns weite Teile unseres Lebens begleitet, aber es gibt neben der Familie noch weitere Vertraute, die uns auf unserem Lebensweg begleiten und uns nachhaltig prägen.

Freunde, Kollegen und Partner gewinnen im Laufe unseres Lebens immer mehr an Einfluss. Wir passen uns an die veränderten Lebensumstände an und verändern uns. Wir gehen unsere eigenen Wege und nehmen unser Schicksal selbst in die Hand. Die Familie bleibt jedoch immer unser Fundament, unsere Wurzeln, mit denen wir fest verbunden sind. Egal wie nahe wir unserer Familie stehen, oder wie weit wir uns von Ihr entfernt haben, sie wird immer ein Teil von uns bleiben, von dem was uns ausmacht und von dem was wir sind. Familiäre Prägung

Abschließen möchte ich diese Artikel gerne mit einem wunderschönen Gedicht von Julia Engelmann – Für meine Eltern

Für meine Eltern
Ihr gebt mir Wurzeln in die eine, und Flügel in die andere Hand und einen Kuss auf meine Stirn, der sagt mir: „Ich bin nicht alleine.“
Dann legt ihr zwischen uns ein Band, sodass wir uns nicht verlieren, sagt ihr. Und dass ich gehen kann wenn ich will.

Und irgendwann geh ich raus. Aber hier draußen ist es so still, so ohne euch. Ihr seid nicht da wenn ich aufstehe, seid nicht da wenn ich schlafen gehe. Also schon, aber woanders und das ist nicht leicht.

Aber ich kann das. Und trotzdem fehlt ihr.

Auch wenn ihr mich nicht gefragt habt, gibt es da noch etwas, dass ich euch noch nicht gesagt hab.

Ihr seid mein Ursprung, meine Insel, mein Vertrauen und mein Schatz. Mein Mund formt euer Lachen, mein Herz schlägt euern Takt.

Ihr, ihr seid mein Beweis, dass Liebe mehr als Geld zählt. Seid der Rahmen für mein Weltbild. Alles was für mich als Held gilt. Ihr gebt mir Halt ohne mich festzuhalten, schafft es, wenn ich nicht kann, mich auszuhalten. Würdet nichts tun mich je aufzuhalten, eher bringt ihr mich dorthin.

Ich brauch‘ nichts zeigen und ihr seht mich, brauch‘ nichts sagen und ihr versteht mich, brauch‘ nichts haben und ihr nehmt mich, nehmt mich einfach wie ich bin.

Und wenn ich Angst hab, seid ihr traurig. Wenn ich weine, weint ihr auch. Dann sagt ihr: „Sei nicht traurig.“ Und dass ihr immer an mich glaubt und mir kann nichts passieren, weil ich weiß, ihr seid noch hier. Ich gehör‘ zu euch und ihr gehört zu mir.

Ihr seid mein Ursprung, mein Vertrauen, meine Insel und mein Schatz. Mein Mund formt euer Lachen, mein Herz schlägt euren Takt.

Family Rocks!

Euer Dennis

CTRL-Life Team

 

Quellen:

Nitsch, Cornelia; Beil, Brigitte (2007): Beide Hände reich ich dir : Geschwister – glücklich,
wer sie hat. 1. Auflage. München: Wilhelm Goldmann Verlag

 Stamm, Margrit (2010): Frühkindliche Bildung, Betreuung und Erziehung. 1. Auflage 2010. Taschenbuch: Haupt Verlag

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