Ich habe gekündigt – 4 Tipps um die Gefühlsachterbahn zu überstehen

Im ersten Teil der Artikelreihe zum Thema Kündigung habe ich bereits beschrieben, wie du erkennst, dass du innerlich gekündigt hast, und wie du mit einer solchen Situation umgehen kannst. Im zweiten Teil geht es darum, welche Gefühlsphasen du durchstehen musst, nachdem du deine Entscheidung getroffen hast, und mit welchen Maßnahmen du die Achterbahnfahrt deiner Gefühle in den Griff bekommen kannst…

Du hast bereits einen Entscheidungs-Marathon hinter dir. Du hast Pro`s und Contra`s abgewogen, und dir den Kopf zerbrochen, wie es weitergehen soll. Aber jetzt ist es endlich soweit. Du musst es nicht mehr geheim halten. ICH KÜNDIGE. Wochenlang hast du dich mit dieser Situation beschäftigt und musstest deine Entscheidung für dich behalten. Jetzt ist es vollbracht.- Welch eine Erleichterung, oder? Die Gefühlsachterbahn beginnt…

Ein Wechselbad der Gefühle

Schnell mischen sich zwischen Euphorie und Erleichterung auch Gefühle wie Wehmut und Unsicherheit. Wie reagieren Deine Vorgesetzten und deine Kollegen? Wie werden die letzten Monate und Wochen in deiner jetzigen Firma ablaufen? Du wirst dich fragen, ob das die richtige Entscheidung war? – die Kollegen sind doch eigentlich ganz nett, dein Vorgesetzter lässt dir genug Freiräume und der Arbeitsweg ist angenehm kurz. – Deine Gefühle fahren Achterbahn -diese Reaktionen sind ganz normal. Die Wissenschaftler Joe B. Hurst und John W. Shepard haben die verschiedenen Gefühlsphasen in dem sogenannten „Roller Coaster Modell“ beschrieben.

Gefühlsachterbahn-Roller-Coaster-Ride

(Quelle: Karrierebiebel.de)

Die verschiedenen Phasen der Gefühlsachterbahn teilen sich wie folgt auf:

1. Die Vorahnung: Du spürst, dass sich eine Veränderung anbahnt und fängst an, die möglichen Reaktionen, Folgen und Risiken durchzuspielen. Im Falle deiner eigenen Kündigung löst du das Ergebnis natürlich selbst aus, aber die innerliche Bewertung der neuen Situation läuft dennoch gleich ab.

2. Der Schock: Das Ereignis, die Vorahnung, hat sich bewahrheitet. Du hast Taten sprechen lassen und tatsächlich gekündigt. Obwohl es deine eigene Entscheidung war, setzt in der Regel unmittelbar danach erst einmal ein Schock ein. Du brauchst Zeit deine Situation vollständig zu erfassen, und zu realisieren, dass deine Entscheidung endgültig ist.

3a. Die Trauer: Trauer und Zeit, das Geschehene zu verarbeiten, gehören zur Krisenbewältigung dazu. Du wirst sehn: nach einiger Zeit stellt sich Erleichterung bei dir ein. Du musst nicht mehr warten und bangen wie es weitergeht. Du hast eine Entscheidung getroffen, das ist positiv! Das Leben geht weiter!

3b. Die Anstrengung: Auf zu neuen Ufern: Wie geht es jetzt weiter? Was muss alles geregelt werden? Üblicherweise hat man bereits einen neuen Job, wenn man selbst gekündigt hat. Ist das nicht der Fall, dann stehen jetzt die Auffrischung deiner Bewerbungsunterlagen und das Durchforsten von Stellenanzeigen auf dem Plan: Hast du schon eine neue Stelle, dann bereitest du dich auf diese vor. Du strengst dich an und sprichst dir selber Mut zu. Sind deine Anstrengungen bereits von Erfolg gekrönt, so geht es gleich weiter zu Phase 6, dem Enthusiasmus.

4a. Die Sorge: Unsicherheit, Hoffnung und Selbstzweifel: Wie sieht meine Zukunft aus? Was passiert, wenn ich der Lage nicht Herr werde und versage?? Wie kann es dann weitergehen? Aus diesen Sorgen können, z.B. bei einer fristlosen Kündigung, schnell Existenzängste werden.

4b. Die Leugnung: Du hast das Gefühl auf der Stelle zu treten. Die ersten Versuche deine Situation zu ändern bleiben leider erfolglos. Anstatt aufzugeben oder deine Strategie zu überdenken, fängst du an dir deine Situation schön zu reden.

4c. Die Wut: Nichts bewegt sich. Du bist frustriert. Du fängst an die Schuld bei anderen zu suchen: dein Vorgesetzter, die Kollegen, die Umstände, die Firma… – Deine Wut dient zur Erklärung, warum dir einfach nichts gelingen mag.

4d. Die Aufgabe: Es scheint aussichtslos. Nichts bringt dich voran. Jammern, schimpfen, Schuldzuweisungen. Egal was du auch unternimmst, du kommst (scheinbar) nicht mehr auf einen grünen Zweig. Im Falle einer Kündigung kommen deine Bewerbungen zurück, es folgt Absage auf Absage. Du fängst an zu resignieren und beginnst (dich) aufzugeben.

4e. Die Depression: Dein Selbstvertrauen beginnt zu bröckeln. Du hast die Situation lange ausgehalten aber irgendwann geht es nicht mehr. Wenn du jetzt nicht auf dich acht gibst kann sich die belastende Situation negativ auf deine Psyche auswirken.

5. Die Hoffnung: Es muss nicht immer so weit kommen. Du bist ein positiver Mensch. Womöglich gibt es auch die ersten Lichtblicke: Gespräche mit Freunden und Verwandten machen dir Mut und geben dir Kraft. Du mobilisierst neue Kräfte und unternimmst neue Anstrengungen deine Situation zu ändern. Du schöpfst neue Hoffnung.

6.Der Enthusiasmus: Du bist auf der Gewinnerstraße – der Ausweg, die Lösung, der neue Job ist zum Greifen nah. Du mobilisierst alle Reserven – auch die emotionalen. Euphorie macht sich breit. Die Durststrecke scheint endlich überwunden.

7a. Die Überwindung: Du hast es geschafft, die Krise ist überwunden. Du bist durch deine emotionalen Täler geschritten und kommst stärker als je zuvor aus ihnen heraus. Scheitern ist keine Option. Du bist der Macher!

7b. Der Neue Zyklus: Im worst case kann es aber auch anders kommen: Die Hoffnung zerplatzt wie eine Seifenblase. Im letzten Moment wendet sich das Blatt noch einmal. Umso tiefer ist der Absturz – ein neuer 4er-Zyklus setzt ein. Mit ihm kommen noch stärkere Selbstzweifel. Du läufst Gefahr in eine Depression zu verfallen und solltest dir jetzt dringend professionelle Hilfe suchen.

 

„Aufgeben ist keine Option und Verdrängung keine Lösung“

 

4 Tipps um die Gefühlsachterbahn unbeschadet zu überstehen:

1. Umgebe dich mit Personen, die dir guttun
Was du jetzt benötigst, sind Personen, die dich positiv beeinflussen und motivieren können. Suche Gespräche mit Ihnen und teile ihnen deine Gefühle und Sorgen mit. Vllt. hat der ein oder andere ja bereits selbst eine ähnliche Situation durchlebt. Du kannst von ihnen lernen und neue Kraft schöpfen, die dir den Mut verleiht, weiterzumachen und nicht aufzugeben. Die Energie deines Umfelds kann dich förmlich aufputschen. Nutze diesen neuen Schwung um deine jetzige Situation positiv zu verändern.

2. Sei selbstkritisch und reflektiere die Situation, in der du dich gerade befindest
Du bist der einzige Mensch, der dich aus einer Krise wieder hervorholen kann. Versuche mit etwas Abstand deine Situation zu analysieren. Es gibt immer einen Weg. Besinne dich auf deine Stärken, deine positiven Eigenschaften und versuche sie dir zu Nutzen zu machen. Schreibe doch mal auf einen Zettel welche Eigenschaften dich auszeichnen und warum ein potentieller, neuer Arbeitgeber gerade dich einstellen sollte. Ich wette, deine Liste wird gar nicht so kurz ausfallen. Auch aus dieser Krise wirst du gestärkt hervorgehen! „What doesn´t kill you makes you stronger“.

3. Sei vorbereitet und gib immer 100%
Du kennst also deine Stärken besser als kein anderer – Prima! Nutze dieses Wissen. Wenn du noch keinen neuen Job hast, dann selektiere genau die Stellen heraus, die zu dir und deinen Fähigkeiten passen. Bereite deine Bewerbungsunterlagen zielgerichtet vor und informiere dich ausgiebig über die Position und das Unternehmen. Du wirst dich selbstbewusster und sicherer fühlen, wenn du im Vorfeld schon 100% gegeben hast.

4. Wenn es sein muss, dann hole dir professionellen Rat
Wenn du es jedoch nicht schaffen solltest, dich selbst zu motivieren oder dich durch andere motivieren zu lassen, dann läufst du Gefahr in der Phase der Depression hängen zu bleiben! Auf Dauer kann dich diese Gefühlsphase psychisch aber auch körperlich krankmachen. So kannst du schnell in einen Abwärtsstrudel aus schrumpfendem Selbstwertgefühl und wachsenden Selbstzweifeln geraten. Sei ehrlich zu dir selbst und erkenne deine missliche Lage. Oft kann dir nur noch ein Facharzt aus deiner Situation helfen. Zögere aus Scham nicht zu lange, andere um Hilfe zu bitten! Gemeinsam werdet Ihr auch diese Krise meistern.

Fazit

Aufgeben ist keine Option und Verdrängung keine Lösung. Du musst nicht zwangsläufig alle Phasen der Gefühlsachterbahn durchlaufen. Natürlich denkst du positiv und wirst Erfolg haben. Von der Phase 3b (Anstrengung) wechselst du direkt in die Phase 6 (Enthusiasmus). Lasse dich von deinen Zweifeln nicht verunsichern. Loslassen fällt uns schwer, aber das befreiende Gefühl, wenn wir es vollbracht haben, ist noch viel stärker. Du stehst zu deiner Entscheidung und wirst deinen Plan durchziehen. Jetzt gilt es die letzten Wochen und Monate bei deinem alten Arbeitgeber mit Anstand zu Ende zu bringen…

 

Im dritten Teil der Artikelreihe zum Thema Kündigung erfahrt Ihr wie Ihr die letzten Wochen und Monate bei Eurem Arbeitgeber selbstbewusst, kollegial und fair zu Ende bringt.

 Euer CTRL-Life Team

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