Grenzen setzen – 12 zielführende Arten NEIN zu sagen

Grenzen setzen – 12 zielführende Arten NEIN zu sagen

Mit einem müden Lächeln auf den Lippen erwiderst Du die Anfrage deines Vorgesetzten, der spontan an deinem Schreibtisch aufgetaucht ist, und dich bittet noch kurz die Präsentation für das morgige Meeting durchzugehen, obwohl du eigentlich schon auf dem Heimweg warst, um Deinen Sohn vom Fußball Training abzuholen.

Natürlich stimmst Du zu, als Du bei der letzten Elternversammlung in der KITA gefragt wurdest, ob Du nicht das Amt des Kassenprüfers übernehmen kannst und die Einladung zum Gartenfest Deines Nachbarn nimmst Du selbstverständlich auch an, obwohl du ihn eigentlich gar nicht leiden kannst.

Obwohl Du genau weißt, dass Du weder Lust noch Zeit, noch die Energie dazu hast all diese Verpflichtungen einzugehen, stimmst Du zu.

Aber warum?

Warum ist NEIN sagen so schwer?

Der vermeintlich einfachere Weg

Ja sagen erscheint uns zunächst immer als der Weg des geringsten Widerstandes. Wir möchten die Beziehung zu unserem gegenüber nicht verschlechtern und wir scheuen uns vor potenziellen Konflikten, die eine Ablehnung nach sich ziehen könnte.

Wenn wir NEIN sagen und jemandem eine Absage erteilen besteht das Risiko, dass der andere sich verständnislos zeigt oder sich sogar unfreundlich verhält. Wir fühlen uns bei einer solchen Reaktion unwohl und „schuldig“.

Nein sagen kann kurzfristig gesehen, also eine Menge Ärger und Unbehagen erzeugen. Daher entscheiden sich die meisten Leute für das JA sagen, da es, kurzfristig betrachtet, mehr Vorteile mit sich bringt.

Langfristig gesehen ist es aber wesentlich belastender immer und zu allem Ja zu sagen.

Wer alles macht, kann nicht alles richtig machen

Wenn Du zu allem ja sagst, besteht eine sehr große Wahrscheinlichkeit, dass du alle gleichermaßen zufrieden stellen kannst.

Die Spirale nimmt Ihren Lauf. Du selbst bist unzufrieden, Deine Arbeitskollegen, Nachbarn oder Vereinskollegen, merken schnell, dass Du nur halbherzig bei der Sache bist und stufen dich bald als unzuverlässig und nicht belastbar ein. Das kann schnell zu Frustrationen führen, bei Dir und auch bei den anderen.

Übellaunigkeit, schlechtes Arbeitsklima, Konflikte, bis hin zu psychischen Erkrankungen, können die Folgen sein, wenn Du nicht in der Lage bist NEIN zu sagen.

Ja bedeutet auch immer Nein

Es ist eigentlich ganz logisch. Sagst Du zu etwas JA, sagst Du auch immer automatisch zu etwas anderem NEIN.

Wenn Du JA dazu sagst länger zu Arbeiten oder dir unnötige Verpflichtungen aufhalst, dann sagst du gleichzeitig nein zu der Zeit mit Familie oder Freunden, Nein zu Ausgeglichenheit und Wohlbefinden oder Nein zu deiner eigenen Gesundheit

Wir haben alle nur begrenzte Zeit zur Verfügung, deshalb hat ein JA immer Konsequenzen. Sei dir dessen bewusst, bevor du das nächste Mal aus purer Nettigkeit ja sagst.

Goldene Regeln

Um zum perfekten Neinsager zu werden, musst du zunächst einmal wissen zu was du Ja sagen möchtest.

Was ist Dir wichtig?

Wo liegen Deine Prioritäten?

Was tut Dir gut?

Worauf möchtest Du nicht verzichten?

Was bereitet Dir Freude?

„Goldene Regeln“ können dir beim Nein sagen helfen. Du kannst Dir zum Beispiel feste Routinen aneignen:

Mindestens zweimal die Woche nach der Arbeit Sport treiben oder sich höchstens zwei Abende die Woche mit Freunden treffen oder anderen Verpflichtungen nachgehen.

Mein Tipp:Trage Dir alle Regeln bzw. Aktivitäten in Deinen Kalender ein. Zeit für Familie und Freunde, Zeit für Sport, oder einfach nur Zeit für Dich. Wenn du diese Zeitblöcke als festen Bestandteil in deiner Tagesplanung hast, wird es Dir viel leichter fallen Nein zu sagen. Du hast ja schließlich schon einen anderen Termin.

12 zielführende Wege Nein zu sagen:

  1. Eine Alternative anbieten: Ich habe morgen leider keine Zeit, aber ich kann Dir jemanden für dieses Fachgebiet empfehlen.
  2. Family First: Vielen Dank für die Einladung, aber meine Tochter spielt an diesem Tag Handball und ich habe noch nie eines ihrer Spiele verpasst.
  3. Der Kompromiss: Nein,ich kann an diesem Termin leider nicht teilnehmen. Ich schreibe aber im Vorfeld gerne eine Rundmail, in der ich meine Agenda Punkte erläutere.
  4. Kurz und knapp, Nein: Das muss dieses Mal auch ohne mich funktionieren.
  5. Klare Grenzen setzen: Bei dieser Aufgabe kann ich Dir nicht helfen. Ich könnte Dir jedoch meine Unterlagen zur Verfügung stellen.
  6. Ich bin schon verplant: Ich weiß es sehr zu schätzen, dass Du an mich denkst. Leider habe ich diesen Tag schon anderweitig verplant.
  7. Danke, Nein: Vielen Dank für Ihre nette Anfrage, aber leider kann ich Ihnen dabei momentan nicht behilflich sein.
  8. Spontan klappt es vielleicht: Diesen Monat passt es leider nicht mehr in meinen Terminkalender. Melde Dich aber gerne spontan, wenn du das nächste Mal an dem Kurs teilnimmst, vielleicht passt es ja dann.
  9. Höhere Gewalt: Es tut mir wirklich leid, aber mein Chef hat mir für diesen Zeitraum bereits ein ganztägiges Meeting eingestellt.
  10. Später vielleicht: Ich würde Ihnen gerne weiterhelfen, jedoch kann ich für diesen Monat keine neuen Aufträge mehr annehmen. Versuchen Sie es doch nächsten Monat bitte noch einmal.
  11. Elegant: Ich schätze es wirklich sehr, dass Sie mich für das Amt des Kassenprüfers vorgeschlagen haben, aber ich habe mich leider schon anderweitig verpflichtet.
  12. Egoistisch:Nicht persönlich nehmen, aber ich muss mich jetzt erst einmal um mich kümmern.

Walk like you Talk

Steh zu deiner Entscheidung. Wenn Du Dich entschlossen hast etwas abzulehnen, dann hast Du das aus gutem Grund getan. Auch wenn Dein Gegenüber mit Unverständnis oder Ärger auf deine Absage reagiert hat, ist das kein Grund für Schuldgefühle oder gar dafür Deine Entscheidung rückgängig zu machen.

Halte Dir die positiven Effekte Deiner Entscheidung vor Augen. Mit Deinem NEIN hast Du zu etwas anderem JA gesagt. Du hast dir jetzt vielleicht mehr Zeit mit deiner Familie verschafft, oder Freiräume geschaffen, um Dinge zu erledigen, die Dir wichtig sind. Du bist ausgeglichener, ausgeruhter, zufriedener und deshalb auch leistungsfähiger.

Trotz aller Tipps und goldener Regeln, wird es immer wieder Situationen geben in denen es dir nicht leicht fallen wird NEIN zu sagen. Vielleicht wirst du ab und an auch noch ja sagen, obwohl ein Nein angebrachter wäre. Beim Nein sagen geht es eben auch darum die Bedürfnisse aller Beteiligten im Blick zu haben.

Gerade in mittel -und langfristigen Beziehungen, in denen gewisse Abhängigkeiten bestehen (z.B. Vorgesetzter und Angestellter) ist es oft ein guter Kompromiss zu verhandeln und eine Win-Win Situation zu erzielen.

Am Ende des Tages ist es wichtig das du Deine eigenen Interessen durchsetzen kannst, ohne dass Dein Gegenüber das Gefühl hat, dass seine Bedürfnisse nicht respektiert werden.

Dennis

Bildquelle:
"Man showing stop gesture"©Evgeny Dubinchuk@fotolia.com

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